BUCHBESPRECHUNGEN
Betriebswirtschaft und Theologie "dialektisch" betrachtet- Darmstädter Theologe rät zu kirchlichem Immobilienmanagement
Von Hartmut Schmidt (epd) = Darmstadt (epd).
Ein in die Jahre gekommener Gebäudebestand und sinkende Finanzmittel belasten zunehmend die Kirchen. Die Lösungen sind vielfältig und umstritten. "Ein kirchliches Immobilienmanagement würde entschieden weiter helfen. Das liegt in dieser Konzeption vor. Jetzt heißt es nur noch: Umsetzen!" Voll des Lobes ist Wolfgang Nethöfel, Sozialethiker am Fachbereich Evangelische Theologie und Direktor des Instituts für Wirtschafts- und Sozialethik der Universtität Marburg über ein in diesen Tagen im Darmstädter
Verlag "Das Beispiel" erschienenes Buch.
Unter dem Titel "Kirchliches Immobilienmanagement - Zukunftweisender Umgang mit kirchlichen Gebäuden" legt der Theologe und Immobilienfachwirt Friedhelm Schneider seine bereits auf Tagungen und in Zeitschriftenbeiträgen vorgetragenen Analysen und Lösungsvorschläge dar. Da die Materie nun einmal nicht aus dem Alltagsleben kommt, werden es Normalbürger nicht leicht haben, sich durch die knapp hundert Seiten durch zu arbeiten. Doch den am Geschick ihrer Kirchengebäude interessierten Leitenden einer
Kirchengemeinde oder Gesamtkirche wird wohl nichts anderes übrig bleiben. Ein im Buch angeführtes Beispiel einer Hamburger Kirchengemeinde, die zunächst ratlos und ohne Geld vor der nötigen Reparatur des Kirchturms stand, veranschaulicht erfolgreiche Lösungen, wie sie Schneider angeht.
Der 48-Jährige liefert seine Konzeption in hoch verdichteter und kondensierter Form, die man dennoch allein "mit dem gesunden Menschenverstand" bewältigen können soll. Er wird diesem selbst gestellten Anspruch durch zahlreiche veranschaulichende Grafiken und Tabellen sowie einem Glossar gerecht. Zunächst zeigt er in einer fächerübergreifenden Stärken–Schwächen-Analyse die heutige Lage. "Eine sehr tiefe Durchdringung der sehr komplexen Materie", urteilt Peter Benkewitz, Geschäftsführer
des katholischen Siedlungswerks St. Gertrud und zuständig für das Management der Immobilien des Bistums Magdeburg, diese Untersuchung.
Wenn es um Ziele des kirchlichen Immobilienmanagements und Effektivität geht, kommt die theologisch geprägte Grundhaltung des Autor zum Ausdruck. Betriebswirtschaftliche Lösungsmodelle werden nicht schlicht kopiert und ihnen Theologie übergestülpt. Sie sind nach den Worten des Autors "dialektisch zu betrachten" und für die Theologie und zur Verfolgung deren eigener Ziele fruchtbar zu machen. Er sieht einen Paradigmenwechsel in den Kirchen nicht nur unumgänglich, sondern auch realisierbar – ansonsten
werde der Immobilienbereich zum "Mühlstein am Hals der Kirchen" werden.
Dass der Autor kein bloßer Theoretiker ist, beweist seine Berufserfahrung. Zehn Jahre war er Gemeindepfarrer, beim 22. Evangelischen Kirchenbautag in Magdeburg (1996) wirkte er im Management mit und von 1999 bis 2001 war er theologischer Referent im Rechnungsprüfungsamt der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Als Gemeindepfarrer entwickelte er erste Bauprojekte und gründete 1994 die Ökumenische Wohnhilfe Darmstadt. Die von ihr auf dem Gelände der evangelischen Christuskirchengemeinde in Eberstadt
errichtete Wohnanlage für allein Erziehende, ausländische und kinderreiche Familien wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet.
Schneider selbst wurde in den "Ersten Konvent der Baukultur" des Bundesbauministeriums und des Bundes Deutscher Architekten berufen. Nach seinem zweiten beruflichen Abschluss zum staatlich anerkannten Immobilienfachwirt gründete er 2001 sein Unternehmen "K.IM. Kirchliches Immobilienmanagement"
Uta Pohl-Patalong in: Lernort
Gemeinde 2/2006, Themenheft „Kirchliche Gebäude“, S. 53
Allen, die den vom Autor in diesem Heft kurz vorgestellten Ansatz des Kirchlichen Immobilienmanagements näher kennen lernen möchten, sei dies ansprechend gestaltete und klar gegliederte Buch empfohlen. Es zeigt die Schritte auf, die eine Kirchengemeinde gehen muss, wenn sie mit diesem Ansatz wirtschaftlich mit ihren Gebäuden umgehen will und erläutert diese Schritte konkret an vielen Beispielen. Dabei wird gleichzeitig notwendiges immobilienwirtschaftliches Fachwissen vermittelt, das vielerorts fehlt, um eine fundierte Analyse der gegenwärtigen und zukünftigen Kosten für Gemeindehäuser, Pfarrhäuser oder kirchliche Kindergärten zu erheben und Konzepte für einen Umgang mit diesem Gebäudekapital zu erstellen. Diverse Grafiken veranschaulichen und verdeutlichen die Inahlte. Eine wichtige Arbeitshilfe für alle, die sich fundiert mit der Nutzung von kirchlichen Gebäuden auseinander setzen (müssen).
Friedhelm Schneider: Kirchliches Immobilienmanagement - Zukunftweisender Umgang mit kirchlichen Gebäuden. Verlag Das Beispiel, Darmstadt 2004, 96 Seiten, 43 Abbildungen, 5 Tabellen, Preis: 24,80 Euro. (0912/6.10.04)
ISBN 3-935243-45-6
epd leh hs
BUCHREFERENZ
Friedhelm Schneider
Kirchliches Immobilienmanagement
Zukunftsweisender Umgang mit kirchlichen Gebäuden
Verlag Das Beispiel GmbH,
Darmstadt 2004
Hans-Joachim Güttler
gb-intern, Herbst 2005
Wer oder was ist KIM? Die Abkürzung für Kirchliches Immobilienmanagement und zu finden im Internet unter www.k-im.net. Begründer von K.IM ist Friedhelm Schneider, ein ehemaliger Gemeindepfarrer und staatlich anerkannter Immobilienfachwirt.
Das hier vorgestellte Buch ist das Ergebnis seiner bisherigen Arbeit in einem für Kirche noch sehr fremden und doch so nahen Bereich. Es geht ihm vor allem darum, den inneren Zusammenhang von kirchlichen Gebäuden und der Gemeindearbeit aufzuzeigen und den mahnenden Finger zu erheben, kirchliche Gebäude nicht vorschnell aufzugeben, sondern gründlich zu bedenken, welchen Stellenwert sie für die Gemeindearbeit haben und sich behutsam der Frage anzunähern, wie mit den Gebäuden zukünftig umgegangen werden soll.
„Die Kirchen und die Gemeinden stehen heute an einem entscheidenden Punkt, der für das weitere Schicksal der gesamten Organisation von zentraler Bedeutung ist. Im Bereich der Immobilien geht es um Entscheidungen mit einer Reichweite, die in dieser Form bisher seit Kriegsende nicht vorhanden war. . . Die Frage heißt: wird es ihr (scil. der Kirche) gelingen, das Potential der Gebäude zu erschließen? Oder wird sie sich – darin besteht die Gefahr – blauäugig den Interessen anderer unterwerfen und vorhandenes Tafelsilber
verscherbeln?“ (DtPfrBl 5/2005).
Das Buch gliedert sich in 5 Abschnitte:
1. SWOT-Analyse. Bestandsspezifika, Stärken und Schwächen, Potentiale und Chancen des kirchlichen Immobilienmangements
2. Lösungsansätze
3. Voraussetzungen und Grundlagen der Steuerung
4. Immobiliencontrolling als Herzstück eines kirchlichen Immobilienmanagements
5. Ausblick
Um das Ergebnis gleich vorwegzunehmen, Friedhelm Schneider geht es, wie er in Anlehnung an Beatus Fischer beschreibt, um einen „Paradigmenwechsel von der Aufgabenwahrnehmung zur Zielerfüllung“ (S.28). Damit spricht er ein Dilemma an, was sich in vielen Kirchen und Gemeinden abbildet, eine Vermeidung der Prioritätendiskussion und der Ziele kirchlicher Arbeit. Schneider verbindet die Frage nach einem Zielsystem eines kirchlichen Immobilienmanagements mit dem Zielsystem der Kirche insgesamt. „Es geht in der
Theologie, in der Kirche, um den Menschen – an sich und in seiner Beziehung zu Gott.“(S.32) „Die entscheidende Aufgabe besteht in der schlüssigen Integration des Immobilienmanagements in das kirchliche Zielsystem.“(S.33)
Das Buch beschreibt seinen Weg, dieser Aufgabe nachzukommen und entwickelt Lösungsansätze, wie Kirche und Gemeinde mit anderem Blick auf den vorhandenen Gebäudebestand blicken und Entscheidungen treffen können.
Für alle, die den Verdacht haben, dass Gebäude eher unter Einsparungsgesichtspunkten und als zusätzlicher Ballast gesehen werden, liefert dieses Buch gute Gründe, eine andere Betrachtungsweise einzunehmen.
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