• Vorwort




Veränderung und Umbruch prägen Kirchen und Gemeinden in der Stadt, aber zunehmend auch auf dem Land. Der Kampf um die Verteilung abnehmender Mittel hat eingesetzt und die Kirchengemeinden erreicht: Einschnitte in Personal- und Sachhaushalte sind bereits vollzogen. Die Bauunterhaltung wird angesichts wachsender Eigenanteile an der Finanzierung und schrumpfender Rücklagen immer mühsamer. Kürzlich offenbarte ein Pfarrer nach gestemmter Baumaßnahme: "Ab heute sind wir eine arme Gemeinde". Wird die Ressource Gebäude zur Last?

Durch die Finanzkrise ist in der Kirche ein Veränderungsprozess in Gang gekommen, von dem der überwiegend autonome Immobilienbereich zunächst weitgehend ausgespart war. Dieser Prozess ist aber auch dort nicht länger aufzuschieben. Es geht vordergründig um Effizienz. Kommunale Beispiele belegen, dass der Immobilienbereich durch ein immobilienwirtschaftliches Management einen nicht unbeträchtlichen Beitrag zur Haushaltsentlastung leisten kann. Doch der Konflikt liegt tiefer: wahrgenommen wird eine "Diskrepanz zwischen theologischen und kirchentheoretischen Überzeugungen auf der einen Seite und der ökonomischen Realität auf der anderen Seite". Eine Diskrepanz, die im Bereich des kirchlichen Immobilienwesens besonders ausgeprägt ist und deren Lösung aufgrund unterschiedlicher Sachkompetenz von Theologie und Bauverwaltung zusätzlich behindert wird. Ein Klärungsprozess ist erforderlich, bei dem es im Kern um die Handlungsfähigkeit der Theologie und kirchlicher Leitungsgremien durch Trans- Mission strategischer theologischer Grundsatzentscheidungen in den weit gehend autonomen Immobilienbereich hinein, also um Effektivität, geht.

Dorthin führt letztlich nur ein Weg: der partielle Wissensmonopole auflösende Weg der Transparenz. Transparenz schafft ein kennzifferngestütztes und damit am Kriterium der Wirtschaftlichkeit ausgerichtetes Controllingsystem, dessen Leistungsfähigkeit durch die Ableitung aus dem kirchlichen Zielsystem und zusätzliche Orientierung an den Wirkungen garantiert und optimiert wird. Die Steuerung, heute deutlich stärker gefordert als früher, wird dadurch in die Lage versetzt, ihren infolge des Paradigmenwechsels veränderten Aufgabenkanon adäquat wahrzunehmen. Sollten wir damit einen über den engeren Bereich des Immobilienwesens hinaus auch in andere Bereiche der Kirche übertragbaren Reformansatz verfolgen, würde uns dies freuen.

Die Thematik ist komplex. Zunächst periphere Fragestellungen – wie etwa die Frage kirchlicher Strukturen oder die der Aufbau- und Ablauforganisationen – werden in der Analyse bewusst ausgeklammert, Fachbegriffe in einem Glossar erläutert. Durch diese inhaltliche und textliche Reduktion und Komprimierung kann es gelingen, eine Schneise ins Dickicht des kirchlichen Immobilienmanagements zu schlagen und die Thematik dem gesunden Menschenverstand zugänglich zu machen. Damit richtet sich das durch und durch umsetzungsorientierte Werk sowohl an die zahlreichen reforminteressierten und -willigen Kräfte innerhalb der kirchlichen Verwaltungen wie auch an Immobilien- Laien unter den Theologen und in den kirchlichen Gremien.

Verwendete Beispiele dienen der Beschreibung genereller Phänomene und beanspruchen einen gewissen repräsentativen Charakter. Nicht verkannt wird, dass bei der Vielzahl administrativer Einheiten mit teilweise unterschiedlicher lokaler oder landeskirchlicher Kultur der Entwicklungsstand hinsichtlich strategischer Fragestellungen unterschiedlich weit vorangeschritten ist.

Übereinstimmungen mit konkreten Situationen sind, wo nicht ausdrücklich vermerkt, rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Dies Werk stellt das Ergebnis einer Arbeit dar, die mit der Beauftragung des Managements des 22. Evangelischen Kirchbautages 1996 in Magdeburg und Zerbst begann und sich seither kontinuierlich in unterschiedlichen Projekten und Beiträgen insbesondere im Rahmen der Kirchenprovinz Sachsen (KPS) und dem Rechnungsprüfungsamt der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), danach 2001 in der Gründung von "K.IM. Kirchliches Immobilienmanagement®" fortentwickelte. Auf diesem Weg gab es viele anregende und hilfreiche Gesprächspartner und Förderer sowohl auf evangelischer wie auch katholischer Seite, sowohl auf leitenden, dezentralen oder auch gemeindlichen Ebenen, sowohl in West-, als auch in Ostdeutschland. Besonders erwähnen möchte ich zunächst den viel zu früh verstorbenen Prof. Rainer Volp, dessen anfängliche Skepsis gegenüber diesem neuartigen Denkansatz bald großem Interesse wich. Ohne ein über Jahre hin andauerndes Gespräch mit Joachim Menge (Büro Menge. Die Baurunde, Offenbach - Erfurt, u. a. Mitglied im Kuratorium der Domestiftung Sachsen-Anhalt), Experte in Spezialfragen alter Bausubstanz, fehlte diesem Werk in dieser Disziplin ein sicheres Standbein. Zur gedanklichen Klarheit zwangen immer wieder bohrende, an das Seminar seines Vaters, des Heidelberger Religionsphilosophen Georg Picht, erinnernde Fragen des Wanderfreundes, Managers und Informatikers Christoph Picht. Den Ausschlag zur Veröffentlichung gab die spontan positive Reaktion von Prof. Dr. Wolfgang Nethöfel auf das Manuskript eines dieser Veröffentlichung zugrunde liegenden Vortrags an der Ev. Akademie Arnoldshain vom Frühjahr diesen Jahres.

Dipl.-Ing. Georg-Andreas Müller, der für Textgestaltung und Gestaltung der Grafiken verantwortlich zeichnet, gilt mein besonderer Dank ebenso wie dem engagierten Verleger, Herrn Horst Keil.








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